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Ausstellung „Karismus 19“ von Haydar Celik und Basak Tiryaki

19. März 15:00 - 20. März 19:00

 

Fotos von der Ausstellungseröffnung…

Haydar Celik

Haydar Celik

Als Maler und Kunsthistoriker beschäftigt sich Haydar Celik mit all seinen Ideen und seiner ganzen Kraft damit, für die Kunst eine neue wirksame Bedeutung zu ermöglichen. Die Menschen sollen wachgerüttelt werden ihr Leben bewusster wahrzunehmen und das eigene Umfeld, die Natur, zu schützen und zu bewahren. Wie ferngesteuert rennt die Gesellschaft ständigem Geltungsstreben durch Konsum hinterher, ohne zu bemerken, dass dadurch unsere Lebensgrundlage, bis hin zur Luft, die wir atmen und zum Wasser, das wir zum Überleben brauchen, zerstört wird.

Für ihn  und seine Freundin Basak ist das Wichtigste: Volle Freiheit und Unabhängigkeit für Menschen und Natur.

Basak Tiryaki

Basak Tyraki

Geboren in Ordu / Türkei. Von 1993 bis 1997 absolvierte sie ein Studium für Bildernische Erziehung an der Marmara Universität in Istanbul. Bis heute ist sie immer noch Lehrerin und arbeitet auch in ihrem Atelier an ihren Werken. Ihr Motto lautet: Fantasien ins reale Leben zu bringen. Von 1996 -2019 hatte sie zahlreiche Einzel – und Gruppenausstellungen.“

 

Haydar Celik im Gespräch mit Ernst Schmiederer, Magazin kunstSTOFF:

Was ich tue, nenne ich Karismus

Ein Kurde in Enzenreith: Der 58jährige Künstler Haydar Celik liest und malt in seinem selbstgebauten Wohnatelier.

Mein Haus habe ich vor sechs Jahren gebaut. Die Fenster, den Dachstuhl, den Verputz habe ich machen lassen. Aber Bodenplatte, Mauern, Isolierung, Decke, Fliesen – alles selbst gemacht. Mein Vater war Tischler, Maurer, Dachdecker, Zimmerer. Wir Brüder haben mit ihm gearbeitet, von ihm gelernt. Als Erwachsener, schon in Österreich, habe ich in einer Zimmerei gearbeitet. Ich musste Geld verdienen für meine Familie. Von meiner Kunst hätten wir nicht leben können.

Seit 2008 bin ich geschieden. Mein Sohn und meine Tochter sind in Wien. Ich habe mich ins Industrieviertel zurückgezogen. Wenn es trocken ist, arbeite ich im Garten. Bei schlechtem Wetter bin ich in meinem Wohnatelier tätig, umgeben von ungezählten Kunstbüchern..

Geboren wurde ich im Dorf, in Düvencik, in Ostanatolien. . Meine Muttersprache ist Kurdisch. Türkisch habe ich erst in der Schule gelernt. Wenn heute irgendwo steht, ich sei ein türkischer Maler, ärgere ich mich. Ich bin Kurde und Mensch. Woher einer kommt, interessiert mich nicht.

Das macht die Sache nicht immer einfacher. Man hat mich 1985 nach einer Aufnahmsprüfung an der Kunstakademie Ankara akzeptiert. Nach dem ersten Semester wurde ich rausgeschmissen. Ich bin ein Linker, ein Roter. Soldaten kamen damals zu mir. Sie haben gefragt, ob ich die Universität freiwillig verlassen will oder ob sie mich mitnehmen sollen. Was hatte ich für eine Wahl? Nach dem Militärdienst nochmal das Gleiche. Ich wurde an der Marmara Universität aufgenommen, wollte Lehrer für bildnerische Erziehung werden. Aber im Bildungsministerium war ich abgestempelt: Ich würde nur an Privatschulen unterrichten dürfen.

Damals habe ich mein erstes Buch gemacht. Wir sollten Zeichnungen großer Künstler nachmachen. Weil es kaum Bildbände zu kaufen gab, hatte ich eine Idee: Bildmaterial zusammensuchen, für jeden Künstler eine kleine Biografie dazu schreiben, ein Buch für Studenten. Das hat über die Jahre zehn Auflagen erlebt. Ich konnte einen Buchladen aufmachen und einen Verlag gründen. Als ich meine Abschlussarbeit über „Kunst und Faschismus“ einreichen wollte, hatte die Kommission, die meine Arbeit begutachten sollte, nur eine Frage: warum ich über Faschismus schreibe, wo doch die islamische Kunst so interessant sei. Zweimal wurden mir danach die Scheiben meines Geschäfts eingeschlagen. Ich musste die Wohnung wechseln. Da war klar, dass ich weg muss. Ende Dezember 1996 kam ich nach Österreich. Im April konnte meine Frau mit unserem Sohn nachkommen. Mit Hilfsarbeiten haben wir uns durchgebracht. Aber ich wollte Kunst und Ausstellungen machen. Mein Leben ist Kunst, Kunst ist mein Leben.

Was ich tue, nenne ich Karismus. Karistirmak bedeutet Mischung. Auf diesen Begriff baue ich meinen eigenen -ismus. In den Werken finden Sie verschiedene Stilrichtungen. Ich brauche Material für meine Kompositionen. Alte Jutesäcke zum Beispiel. Mit Löchern drin. Mottenzerfressen. Solche Fetzen nähe ich zusammen. Die Nähte zeigen, dass es um Alles geht: um den Menschen, die Natur, um unsere Umwelt, um die Zerstörung. Der Karismus ist ein Warnsignal, eine Aufschrei gegen die drohenden Gefahren, eine Operation. Wo man etwas zusammenflickt, bleiben Nähte. Ich will keine schönen Bilder malen. Ich will etwas sagen mit meinen Bildern.

Ernst Schmiederer ist Publizist und Verleger, betreibt das Institut für die Geschichten der Gegenwart gegenwart.org und die edition IMPORT/EXPORT.

Die Ausstellung ist bis 27.03.2022 zu besichtigen.
Geänderte Öffnungszeiten: SA und SO 15 – 19 Uhr, die Künstler sind anwesend.
Eintritt frei

 

Details

Beginn:
19. März 15:00
Ende:
20. März 19:00
Veranstaltungskategorie:
Webseite:
www.schloss-fischau.at

Veranstalter

Blau-Gelbe Viertelsgalerie
Telefon:
+43 664 233 9220
E-Mail:
art@schloss-fischau.at
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